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fimmtudagur, 9. október 2003


Seit Anfang Oktober herrscht in Wien helle Aufregung. Ist die
Umbenennung des historischen Karlsplatzes in Nike-Platz nur ein Jux, wie
die Kronen Zeitung schreibt? Im Rathaus treffen seither zahlreiche
Beschwerden und Proteste ein, bei Standard, KURIER und Presse folgt
tagelanges Rätseln: Wer steckt dahinter?

Public Netbase hat "nikeground.com - rethinking space" gemeinsam mit den
Netzkunst-AktivistInnen von 0100101110101101.ORG für den Karlsplatz
entwickelt.

Das Projekt will das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem Interesse
und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche zur Diskussion stellen und
durch direkte Intervention in den urbanen und medialen Raum
Handlungsfelder erweitern.

Die Firma Nike sieht sich in ihren Markenrechten verletzt und kündigte
unverzüglich an, gegen dieses Kunstprojekt vor Gericht vorgehen zu
wollen. Hier wird die Frage entschieden werden, ob ein Großkonzern
tatsächlich verhindern kann, dass Kunst und Kultur allgegenwärtige
Symbole der Alltagswelt zum Thema machen können. Das hätte zur Folge,
dass kulturelle Produktion nur mehr in Abhängigkeit von
Wirtschaftsinteressen möglich ist.

www.nikeground.com
www.t0.or.at
0100101110101101.org


... Comment

Das angebliche Vorhaben, den historischen Karlsplatz in Nike-Platz
umzubennen, sorgt seit Anfang Oktober für großes Aufsehen in Wien. Ein
zweistöckiger Pavillon gibt vor Ort umfassende Auskunft über die Pläne
des internationalen Sportartikel-Konzerns. Im Zentrum der Neugestaltung
steht eine 36 Meter große Skulptur des Firmenlogos.

Freundliche junge MitarbeiterInnen führen persönlich durch die
Ausstellung im gläsernen Info-Pavillon. Das Nikeground-Website bietet
Hintergründe und Details zu einer internationalen Kampagne mit dem Ziel,
weltweit Nike-Plätze zu etablieren.

Dieses auf dem Platz weithin sichtbare Zeichen löste in der Bevölkerung
unverzüglich heftige Reaktionen aus, die sich mit ihren Beschwerden an
das Rathaus und zahlreiche Medien wandten. Kurz darauf berichteten
bereits die ersten Zeitungen österreichweit über einen "Riesen-Wirbel"
um den Verkauf des Karlsplatzes.

Ab sofort hat das Rätseln um diese städtische Halluzination ein Ende.
Hinter dem Projekt "nikeground.com - rethinking space" verbirgt sich der
"hardly believeable nikeplatz trick" der Gruppe 0100101110101101.ORG,
die dieses Kunstprojekt gemeinsam mit der Netzkultur-Plattform Public
Netbase entwickelt hat. Eine Sprecherin der Künstlergruppe erklärte:
"Wir wollten die Stadt zur Bühne eines Theaterstücks machen und durch
eine hyper-reale Inszenierung die Wahrnehmung dieser Stadt verändern."
Die durch spektakuläre Netzkunst-Projekte bekannt gewordenen Aktivisten
verbinden die künstlerische Tradition der Mythopoesis mit der globalen
Informationsgesellschaft.

Dazu Konrad Becker: "Wir sehen es als unsere Aufgabe, das
Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem Interesse und der
Ökonomisierung aller Lebensbereiche zur Diskussion zu stellen und durch
direkte Intervention in den urbanen und medialen Raum Handlungsfelder zu
erweitern." Die Firma Nike hat bereits angekündigt, gegen das
Kunstprojekt vor Gericht vorgehen zu wollen. Für Konrad Becker kommt
diese Drohung nicht unerwartet: "Es wird zu entscheiden sein, ob ein
Großkonzern tatsächlich verhindern kann, dass Kunst und Kultur
allgegenwärtige Symbole der Alltagswelt zum Thema machen können. Das
hätte zur Folge, dass kulturelle Produktion nur mehr in Abhängigkeit von
Wirtschaftsinteressen möglich ist", so Konrad Becker abschließend.

|---
| Rückfragen:
|---
| Public Netbase Media~Space!
| Institut für Neue Kulturtechnologien/t0
| Zwischenquartier Burggasse 21
| A-1070 Wien
|---
| Tel. +43 (1) 522 18 34
| Fax. +43 (1) 522 50 58
|---
| www.t0.or.at
|---

... Link


... Comment
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> Nike-Platz: Großkonzern attackiert Freiheit der Kunst

|

> Internationales Kunstprojekt soll gerichtlich verboten werden

|---

Am 14. Oktober erreichte die Wiener Netzkultur-Institution Public
Netbase eine Klage der Firma Nike, die das Verbot eines künstlerischen
Werks anstrengt. Streitwert: 78.000 Euro.

Die Rauminstallation "nikeground - rethinking space" ist ein
Gemeinschaftsprojekt von Public Netbase mit der renommierten Gruppe
0100101110101101.ORG und soll mit der möglichen Umbenennung des Wiener
Karlsplatzes in Nikeplatz einen öffentlichen Nachdenkprozess anregen.
Die AutorInnen verbinden dabei die künstlerische Tradition der
Mythopoesis mit der neuen Kultur der Kommunikationstechnologien.

Die Vorgehensweise der internationalen Sportartikel-Firma ist in
mehrerlei Hinsicht bedenklich. Im Verlaufe des Kunstprojekts wurden
keinerlei Waren- oder Dienstleistungen unter dem Namen Nike angeführt.
Zudem steht die Non-Profit-Organisation Public Netbase in keinerlei
geschäftlicher Konkurrenzbeziehung. Von einer Verletzung von
Markenrechten kann daher keine Rede sein. Viel eher stellt sich der
Großkonzern gegen das in § 17 des Staatsgrundgesetzes festgeschriebene
Prinzip der künstlerischen Freiheit.

Dazu Public Netbase-Leiter Konrad Becker: "Eine Firma, die unlängst
selbst vor einem US-Höchstgericht wegen irreführender Werbung verurteilt
wurde, will hier offensichtlich Kunstgeschichte schreiben und weltweit
Strafaktionen gegen Künstler durchführen." Der künstlerisch
reflektierende Umgang mit Zeichen der Alltagskultur und den symbolischen
Inszenierungen der Stadt wird somit kriminalisiert. "Nike nimmt eine
künstlerische Intervention zum Anlass", so Konrad Becker, "um eine
mögliche Diskussion oder Kritik an globalen Entwicklungen schon im Keim
zu ersticken."

Der US-amerikanische Kulturtheoretiker Timothy Druckrey beschreibt die
künstlerische Bedeutung der Arbeit von 0100101110101101.ORG
folgendermaßen: "Die Gruppe provoziert Fragen über 'die andere' Seite
der Macht. Sie fragt nach den Voraussetzungen einer Kultur, die
zunehmend reguliert wird, insbesondere aber nach Firmenidentitäten, die
sich als Ersatz für den öffentlichen Raum oder als immun vor den
Konsequenzen ihrer Handlungen verstehen."

Wie auch eine Aussendung eines Mitarbeiters der für Nike tätigen
PR-Agentur FCB bestätigt, ist durch die Kunstaktion kaum Schaden
entstanden. "Im Gegenteil: Dieses Vorgehen von Nike will der Kunst
schaden. Hier soll exemplarisch die moderne künstlerische Praxis frontal
attackiert werden," so Konrad Becker abschließend.

... Link

"Im Verlaufe des Kunstprojekts wurden
keinerlei Waren- oder Dienstleistungen unter dem Namen Nike angeführt." naja, wenn man sich nikeground.com so ansieht - und ich da jetzt nicht irgendwas uebersehen habe - ist jedenfalls diese aussage aeusserst gewagt. spannende sache, jedenfalls.

... link


... Comment
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> Nike-Platz: Erster Erfolg für Freiheit der Kunst!

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> Gericht entscheidet vorläufig für internationales Kunstprojekt

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Die internationale Sportartikelfirma Nike will die von Public Netbase
gemeinsam mit der renommierten Gruppe 0100101110101101.ORG errichtete
Rauminstallation "nikeground - rethinking space" verbieten lassen. Nun
hat das Handelsgericht Wien eine erste wichtige Entscheidung getroffen.

Ungeachtet des Umstands, dass hier ein künstlerisches Werk verboten
werden soll, hat das Handelsgericht den Antrag des Konzerns auf
einstweilige Verfügung zurück gewiesen. Der Grund dafür: Die Klage gegen
Public Netbase wird im Namen von Nike International geführt. Das
Unternehmen hat seinen Sitz somit offiziell in den USA, weswegen eine
Prozesskostensicherstellung für den Falle eines Richterspruches zu
Gunsten von Public Netbase zu hinterlegen gewesen wäre.

Public Netbase wird in dieser Rechtsangelegenheit von Mag. Michael Pilz
vertreten, der - neben des Hervorstreichens der künstlerischen
Ausrichtung der Installation - in seiner Klagebeantwortung auf den
schwerwiegenden Formfehler hingewiesen hat. "Für das Projekt ist das ein
wichtiger Erfolg", erklärt Public Netbase-Leiter Konrad Becker. Der
Rechtsstreit mit Nike geht somit in eine weitere Runde. Und: Die
Installation am Karlsplatz kann bis zum Abbau am 28. Oktober
unbeeinträchtigt bestehen bleiben. "Diese Entscheidung des Gerichts
bestärkt uns jedenfalls darin, in weiterer Folge umso selbstbewusster
die künstlerische Freiheit vor der Rücksichtslosigkeit großer Konzerne
in Schutz zu nehmen", so Konrad Becker abschließend.

... Link

Nun gut
Es ist tatsächlich so gekommen, wie es die Künstlergruppe erhofft haben dürfte. Öffentliche Aufmerksamkeit, negative Exponierung von Nike und gelungene Problematisierung der Ökonomisierung des öffentlichen Raumes, Etappensieg für die künstlerische Freiheit (wenn auch vor dem Handelsgericht). Was hätte man getan, wenn
a. die Nike-Initiative nicht abgeschmettert worden wäre?
b. Nike und das Publikum gesagt hätten: "macht gar nichts, is hoid Kunst, lassen wir sie in Ruh', man hat ja auch schon Porsches in Museen gestellt"?

... link

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| Nike-Klage gegen Kunstprojekt zurückgezogen
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| "nikeground - rethinking space" steht beispielhaft
| für neue Formen der Intervention im öffentlichen Raum
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Noch Anfang Dezember war ungewiss, wie der Rechtsstreit zwischen Public
Netbase und Nike International hinsichtlich des Kunstprojekts
"nikeground - rethinking space" enden würde. Die gerichtliche Klage
bedeutete wochenlang eine existentielle Bedrohung der renommierten
Wiener Netzkultur-Plattform. Seit kurzem steht fest: Die internationale
Aufmerksamkeit sowie das mediale Interesse konnten die Sportartikelfirma
zum Einlenken bewegen.

"Es hat sich gelohnt, am Recht auf freien künstlerischen Ausdruck in
urbanen Räumen festzuhalten", erklärt Public Netbase-Leiter Konrad
Becker. "Die Einschüchterungsversuche des für seine subersiven
Marketingstrategien bekannten Unternehmens haben sich als Bumerang
erwiesen". Das weltweite Interesse ist auch damit zu erklären, dass mit
diesem Projekt die wichtige Funktion einer zeitgemäßen künstlerischen
Praxis verdeutlicht wurde, die sich mit den realen Produktionsmitteln
einer zunehmend von Medien und Technologie bestimmten Gesellschaft
auseinander setzt. Dazu Konrad Becker: "Wir hatten die Absicht, die
Stadt Wien als Theaterbühne für ein komplexes modernes Kunstwerk zu
sehen, das auf verschiedenen Vermittlungskanälen subjektive
Interpretationen anregte. Wichtige Aspekte wie die globalisterte
Dominanz über Wirtschaft und kulturelle Symbole wurden kontrovers ins
Blickfeld gerückt."

"Der Anspruch, die Funktion öffentlicher Räume zu diskutieren, hat zu
einem Nachdenkprozess angeregt, inwieweit Großkonzerne alleine Macht und
Einfluss auf die Zeichensysteme des alltäglichen Lebens ausüben können",
betonen die Künstler des Projektpartners 0100101110101101.ORG. Die
Irritation, der Karlsplatz würde in Nike-Platz umbenannt werden, steht
beispielhaft für eine neue Form der Intervention im öffentlichen Raum.
"Dieses Projekt ist für den zukünftigen Kunstplatz Karlsplatz ein
konkreter Impuls, wie eine Verbindung von Netzkunst, Politik und Theorie
Gegenmodelle zur Repräsentationskultur anbieten kann", so Becker
abschließend.


Videodokumentation
www.t0.or.at

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