korrespondenz.log
 
Dies ist ein begleitender, öffentlicher Weblog zu korrespondenz.biz, einem unregelmäßig erscheinenden Webmagazin zum Thema Medien und Interaktionen.

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föstudagur, 26. mars 2004


Eigentlich sollte hier ein nicht ganz uninteressanter, keineswegs kulturpessimistischer Artikel aus dem neuen SZ-Magazin verlinkt sein. Darin geht es um die menschheitsverdummenden Wirkungen von Power Point. Power Point habe sich als dominierendes Tool für Vorträge nicht nur durchgesetzt, sondern auch eine ganz eigene Vortragsweise befördert. Die Folge sei - bei allen positiven Effekten (Vereinfachung, Durchgleiderung) - eine umfassende und beleibige Simplifizierung von Sachverhalten: von der WG-Küchen-Planung bis zur Philosophievorlesung.
Die mit Power Point einziehende Vortragsweise sei dominierend, diktatorisch oder wenigstens suggestiv, in jedem Fall antiaufklärerisch. Auch zahlreiche Desater der jüngsten Zeitgeschichte werden mit Popwer Point in Verbindung gebracht: die Rede Powells pro Irak-Krieg vor der UN war eine PP-Präsentation, der Absturz der Columbia-Raumfähre
ging auf fehlerhaftes Folienmanagement zurück und auch die Agenda 2010 der SPD folge dieser Präsentationslogik.
Leider sind die Restriktionen auf den SZ-Internetplattformen mittlerweile so, dass man oft keine freien Links mehr setzen kann.


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Nachfrage: Wie sind eigentlich Eure Erfahrungen mit den Internetangeboten von Zeitungen/Zeitschriften? Wie viel ist noch frei zugänglich? Wie viel muss mittlerweile gekauft werden?

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leicht off-topic: ich kann ja nur wärmstens die netzeitung empfehlen. Liest sich ordentlich, und wird von symphatischen mittelalten Leuten gemacht. Und kann nicht als e-paper-Ausgabe (lies: pdf-File der Printausgabe) herauskommen, weil es keine Printausgabe gibt.

Ansonsten sind doch blogs die neuen Zeitschriften. Wobei die allerdings bald auch nichts mehr zu verlinken haben, und dann nur noch über das Gefühl, um 5 Uhr morgens am Ostbahnhof zu stehen, schreiben können.

Schlussendlich halte ich es mit dem Schirrmacher (was ist eigentlich ein "Schirr", frage ich mich hier kurz), und sage: Zeitschriften auf dem Couchtisch machen sich viel besser (eine strategisch plazierte Ausgabe des New Yorkers, eine ironisch zwinkernde Wallpaper, klein, aber gravitätisch etwas Foreign Policy Review, Prisma (für die Anzeigen), Merkur, nicht zu vergessen der Stapel New York Reviews, die Hälfte noch eingeschweißt, man kommt ja zu nix, fertig ist der Intellektuellenhaushalt. Und der Bankrott.).

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und jetzt: FURL
das dürfte für gewisse furore sorgen:
http://www.furl.net/index.jsp

damit lässt sich zumindest dem lästigen problem der dauerhaften verlinkung auf internetseiten mit kurzer verfallszeit (z.b. zeitungsartikel, die regulär nur zwischen 1 woche und 1 jahr archiviert werden) wirkungsvoll begegnen. von rechtlichen bedenken einmal abgesehen, versteht sich...

weitere anwendungsbeispiele hier:
http://philosophus.twoday.net/stories/356627/
und hier:
http://blog.contentious.com/archives/2004/06/22/10-cool-things-to-do-with-furl
oder auch hier:
http://log.netbib.de/index.php?s=furl

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interessant, danke. Das löst natürlich das Verlinkungs- und Archivierungsproblem. Ob die Zeitungsverlage das aber so gut finden? Wahrscheinlich wird die persönliche Archivierung gestattet, die Konservierung von Artikeln im Weblog aber weggeklagt.

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Interessant übrigens, dass das jetzt bei der SZ angekommen ist: angefangen hat das so etwa vor einem Jahr mit David Tuftes Kritik an Powerpoint, und solche Artikel gibt es in Wellen immer mal wieder. Die letzte Welle schwappte vor ein paar Wochen durch NYT und Guardian und sowas, und ist wohl von dort von einem SZ-Journalisten mitgenommen worden. Und dafür soll man zahlen?

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Spon hatte ja auch was.

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ja stimmt, hatte ich vergessen. Ist ja sogar noch naheliegender.
Sowieso interessant zu sehen, wie sich Themen durch die Welt verbreiten. Klar, irgendwo müssen Journalisten ja ihre Themen herkriegen, aber es erstaunt mich immer wieder, wenn dann keine Quellenangaben dabei sind. (Macht natürlich auch Spass, so wie Samples erkennen in Musik.)

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Spannend ist das auch in den Weblogs, die üblichen fetten Links, die auf vielen Seiten erscheinen, in welchen Zeiträumen und auf welchen Wegen sie sich durch die Häuser bewegen, das würde ich gerne mal visualisiert sehen, die Verknüpfungen der Weblogs, ihre Strukturen, die Meldung, die sich ausbreitet, hüpft.

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man kann also festhalten: mit den Themen in den Zeitungen und Zeitschriften ist es nicht anders als mit den Moden, ob Musik oder Kleidung. Es geht in konzentrischen Kreisen von innen nach außen. Das meiste fängt in "Amerika" an (Avantgarde), dann kopiert man es in München, dann in dieses Weblog hinein, (das ich durch meinen uninformierten Verweis als provinziell geoutet habe, das aber dank der neuen Korrespondenz Nr. 88 von das wieder vorn d'ran ist), dann folgt vermutlich die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Das ist das journalistitische Kerngeschäft: Informationen kopieren. Paste&copy. Seit einigen Jahren sind auch collageartige Artikel in, die erkennbar von Google, der neueren Kulturgeschichtsschreibung und/oder dem Dekonstruktivismus inspiriert sind. Ich erinnere mich noch gut an einen Artikel, der in der FAS anlässlich des Films "Swimming pool" erschien. Der Artikel handelte das Thema: "Das/der Swimming pool in der Medien- und Weltgeschichte" über eine ganze Zeitungsseite ab, und man konnte mit ihm auf das wunderbarste eine Google-Such-Liste abarbeiten. Da war doch noch was.
Aber zurück zum Kopieren von Informationen. Informationen werden erst zu Themen, wenn sie häufig kopiert werden. Über PowerPoint wurde das schlaueste anscheinend schon vor Jahren gesagt, aber Thema ist es erst jetzt, wo Lifestyleorgane wie das SZ-Magazin das aufnehmen. Oder?


P.S.: Ich gebe der natürlich recht: wenn ich keine Artikel aus der SZ mehr im weblog verlinken kann, werde ich wohl Fotos meiner Lieblingsampeln einstellen müssen. Ich kauf mir nächste Woche eine Digitalkamera.

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Danzigerstrasse Ecke Prenzlauer Allee

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sieht ganz gut aus. Ich kann die Idee nur unterstützen. Fotos sind ja - ganz naiv betrachtet - Links zur Außenwelt. Und zeigen oft mehr als viele Worte.

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Zwischenstand:
nach gefühlten 28 Stunden vorm Powerpoint heute kann ich bestätigen, dass die Menschheit, von mir ausgehend, verdummt.
Warum kann ich nicht einfach meinen Kopf in den Projektor einstecken?

On second thought, vielleicht wäre das keine so gute Idee. Dann lieber doch echter Linguist, mit 40-seiten Handout und mit ohne Folien.

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Endstand
So. Jetzt muss ich leider Selbstmord als Alternative in Erwägung ziehen. Mir ist gerade -- beim Speichern -- der Computer abgestürzt. Nun ist das File beschädigt. Die letzte Kopie ist von gestern.

Ich will nicht mehr.

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vorsicht, du könntest eine welle auslösen.

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darauf kann ich keine Rücksicht mehr nehmen.

Obwohl ich doch beeindruckt bin von der Schläue des Geräts. "Aha, diese Folie hat den Titel `conclusions'. Meine Zeit ist gekommen!"

Ich gebe mich geschlagen. Die Computer haben gewonnen.

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Werther 2001 Space Odyssee: wer schreibt das Drehbuch?

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