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miðvikudagur, 30. apríl 2003


Gestern interessanten Vortrag gehört über neues Einfinger-Eingabesystem ``Dasher''. Man fährt mit dem Mauszeiger durch eine Buchstabenwelt, die von einem statistischen Sprachmodell erzeugt wird. Jeweils die Buchstaben, die am wahrscheinlichsten auf die folgen, die man schon überfahren/ausgewählt hat, sind am größten. Nette Beschreibung: Bibliothek zu Babel, wo alle möglichen
Bücher drinstehen. Wenn ich ein Buch ``schreiben'' möchte, muss ich
es nur finden. Ich suche also zuerst alle Bücher, die mit dem ersten
Buchstaben, den ich schreiben will, anfangen, dann unter diesen alle die, die mit dem 2. usw..

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Sieht sehr nach GNU-version von Gibsons Cyberspace aus:
Travelling Through Letters


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Dient das System allein wissenschaftlicher Hypothesenprüfung? Oder ist es bloß praktisch gedacht (Geschäftsbrieftextbausteine) Eines zur Normierung des Sprechens/Schreibens? Oder eher eines zur Erzeugung sprachlicher Innovation? Romanschreibhilfe? Ganz doof gefragt: Welche Pläne für Anwendung und Implementation gibt es?

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Ich antworte einfach, ohne mich nochmal mit dem System beschäftigt zu haben. (Ich kenne das System, meine vor längerer Zeit mal einen Artikel darüber in der Zeitung gelesen zu haben.) Entschuldigung vorneweg.
Meines Wissens ist das System nur eine Eingabehilfe für Zeichen. Es hilft nicht beim Formulieren. Man bekommt eine Auswahl von Zeichen präsentiert. Aus dieser Auswahl kann man schnell mit einem Finger (oder Mauzeiger) ein Zeichen auswählen. Die Auswahl darf nicht zu groß sein, sonst wird sie unübersichtlich. Schon die Menge der Zeichen des lateinischen Alphabets wäre zu groß. Also wird bestimmt, welche Zeichen bei einer gegebenene Eingabe höchstwahrscheinlich folgen. Die Wahrscheinlichkeiten berechnet man auf der Basis eines möglichst großen Korpus.
Man könnte das System erweitern, indem man nicht mehr nur Buchstaben zur Auswahl präsntiert, sondern ganze Wörter. Ggf muss an einer bestimmten Stelle ein bestimmtes Wort stehen. Dann braucht es nicht mehr zeichenweise eingegeben zu werden. Ich habe mir die Webseite noch nicht angeguckt. Vielleicht ist das System schon erweitert.
Interessant wird eine Adaption für das Chinesische.

Das System ist nicht nützlich für die Eingabe von Zeichen am PC. Es kann aber die Eingabe bei Geräten, die aufgrund ihrer Größe über keine Tastatur verfügen können, vereinfachen.

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Nicht ganz. Es werden schon alle Zeichen angezeigt (sonst liesse sich ja nicht jeder beliebige Text eingeben), nur werden sie verschieden gross dargestellt, proportional zur der Wahrscheinlichkeit, mit der sie auf die bisher eingegebenen folgen. (Zus"atzlich werden sie so ausgerichtet, dass der am wahrscheinlichsten folgende Buchstabe `geradeaus' vom ausgew"ahlten erscheint.)

Ganze W"orter zur Auswahl anzubieten w"urde folglich nicht funktionieren, da ist die Auswahlmenge zu gross. Ist auch nicht n"otig, da `wahrscheinliche' W"orter automatisch einfacher einzugeben sind, wie oben beschrieben. (Man k"onnte das Sprachmodell schlauer machen, das momentan nur ein Charakter-n-gramm ist, aber frustrierenderweise bringt sowas ja immer kaum etwas.)

Es gibt eine Version f"ur's Japanische. Im Prinzip m"usste das
m"oglich sein f"ur alle Zeichensysteme, die sich ordnen lassen. (Ach so, habe ich oben vergessen: die sind schon alphabetisch geordnet, von oben nach unten.)

Was das soll? Nun ja, beim Formulieren hilft es nicht (auch wenn nat"urlich der Witz naheliegt, einfach geradeaus zu fahren und damit den nach dem Sprachmodell wahrscheinlichsten String zu erzeugen). F"ur die Eingabe am PC ist es normalerweise eher nicht n"utzlich. (Man muss ja auch z.B. die ganze Zeit auf den Bildschirm starren.) Ausser, man hat keine H"ande. In welchem Falle es sehr n"utzlich sein kann, da es sich z.B. auch per Eye-Tracker steuern l"asst. Mir hat einfach das Ergebnis gefallen, aesthetically pleasing und so. Cyberspace, Information fliegt rum, was man schreiben will liegt schon vor einem, in dem nicht-aktual unendlichen etc. pp.

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Das System funktioniert im Japanischen mit Sicherheit nur für eine Silbenschrift (Hiragana oder Katakana). Es gibt über 10000 chinesische Schriftzeichen (Kanji). In Japan wurde eine Grundmenge von, leicht zu merken, 1945 Zeichen bestimmt, die man in der Schule lernt und die in Gebrauchstexten (Presse, Geschäftstexte, ...) ausschließlich verwendet werden. In Mangas sind Kanji i.d.R. mit Hiraganas überschrieben, so dass Schüler, die noch nicht alle Kanjji kennen, trotzdem das Manga lesen können. Katakana -- by the way -- werden für Fremdwörter benutzt (hoteru, biru, doa ...). Ein Problem ist, dass ein Kanji i.d.R zwei verschiedene Aussprachen hat und verschiedenes bedeuten kann. Verschiedene Kanji können wiederum auf dieselbe Weise ausgesprochen werden, so dass ein Text, der nur in Silbenschrift geschrieben ist, hochambig ist oder jedenfalls nicht problemlos zu verstehen. Japaner schreiben oft, während sie sich unterhalten, mit dem Finger imaginäre Schriftzeichen auf ihre Hand. Sie disambiguieren ihre Rede für den Gesprächspartner, indem sie die Kanjis zu den von ihnen geäußerten Lautketten andeuten. Ist das kompliziert? Allerdings. Aber es funktioniert. Mit dem beschriebenen System ist die Eingabe von Texten sicher nicht leicht möglich.

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Ist es dann diese Technologie
, die (Stichwort Eyetracker) auch für stark gelähmte Patienten (etwa Locked-in-Syndrom) als Kommunikationshilfe eingesetzt wird?

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last updated: 2004.03.06, 22:38
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